Online Poker Boom

Ob im Fernsehen, Internet, in Casinos oder der heimischen Stube: Poker ist längst aus verrauchten Hinterzimmern ausgebrochen und in der Mitte der Gesellschaft angekommen. So weit das Auge reicht, wird gepokert. Etliche Homepages werben mit eigenen Angeboten, im Fernsehprogramm vergeht keine Nacht ohne eine Übertragung. Und spätestens wenn Stefan Raab Prominente um sich versammelt, um genüsslich dem Kartenspiel nachzugehen, schaut jeder gebannt in die Röhre.

Was einst als eher schwierig zu erlernendes Regelwerk abgetan wurde, ist inzwischen zum Volkssport mutiert. Auch das Geschäft im Internet floriert - trotz harter Rückschläge in den letzten Jahren. Wer Poker als Glücksspiel betreibt und von einem netten Nebeneinkommen träumt, sollte auf alles gefasst sein.

Die Faszination am Poker erklärt sich gerade im Glücksspielsektor völlig von selbst. Ist es bei vielen weiteren Angeboten wie Automaten-Slots oder dem Roulette nichts als eine Frage des Glücks, kann die Chancengleichheit beim Kartenspiel völlig auf den Kopf gestellt werden. Auch wenn in letzter Instanz die Karten gewinnen, sind es doch die Mitspieler selbst, die darüber entscheiden, ob das beste Blatt siegreich ist - oder der beste Bluff.

So wichtig wie die Karten auf der Hand sind Gestik und Mimik, geschickte Ablenkungsmanöver und das ein oder andere Risiko. Wer seine Mitspieler lesen kann und ihre Strategie durchschaut, kann ohne Probleme auch dann den Tisch gewinnen, wenn seine Blätter nur halb so viel hergeben. Für meisterliche Strategen ist und bleibt Poker das Glücksspiel Nummer 1.

Aus Ägypten ins Internet

Die Wurzeln des Kartenspiels sind in Ägypten zu suchen, obgleich exakte Ursprünge nur schwerlich festzumachen sind. Erst im 14. Jahrhundert hielt es in Europa Einzug und entwickelte sich aus den Einflüssen weiterer Spiele zum heute bekannten Spiel.

Französische Siedler brachten das Pokerface schließlich nach Amerika, wo es neben der Glücksspielmetropole Las Vegas vor allem mit dem Wilden Western und Saloons in Verbindung gebracht wird. Schlau taktieren, um mit dem letzten Blatt gnadenlos zuzuschlagen - diese Mentalität passte perfekt zu improvisierten Kleinstädten, deren Bevölkerung aus Abenteurern und Goldsuchern bestand.

Durch den Erfolg des Internets war es nur eine Frage der Zeit, bis das Pokern auch im virtuellen Raum Fuß fassen konnte. Erste Flash-Varianten mit einfachsten Mitteln machten bereits Anfang der Neunziger die Runde, bis Planet Poker im Jahr 1998 den ersten Online-Poker-Raum ins Netz stellte. Zum ersten Mal konnte auf diese Weise online um echtes Geld gespielt werden. Was heutzutage Gang und Gebe ist, war im Februar 1998 noch eine Sensation: Erstmals versammelten sich mehrere Spieler im Internet und ließen eine Partie bis in die frühen Morgenstunden laufen. Ein Meilenstein in der Geschichte des Online-Pokers war gesetzt, viele weitere sollten im kommenden Jahrzehnt folgen.

Mit 39 Dollar zum Millionengewinn

Online-Poker ist faszinierend und verlockend zugleich, setzt sich aus Glück und guter Taktik zusammen. Der amerikanische Traum, vom Tellerwäscher in die oberen Schichten aufzusteigen, besteht seitdem auf dem ganzen Erdball. Und in der Tat: Mit der richtigen Hand und der richtigen Portion Glück kann sich das Leben nach nur einem Turnier komplett verändern. Immer wieder träumen Glücksspieler von dieser Chance - und doch können sie nur die Allerwenigsten ergreifen.

Wer im World Wide Web um Geld spielt, sollte nicht zwangsläufig einen Millionengewinn erwarten. Ganz im Gegenteil ist die Chance, den gesamten Einsatz gnadenlos zu verjubeln, sehr viel höher. So gut wie jeder glaubt, den anderen durchschauen zu können. Doch gerade im Internet ist das Pokerface nicht relevant, ein stetiges Kratzen an der Nase nicht spielentscheidend. Das Netz macht es dabei vor allem für Neulinge leichter, ihre Nervosität verbergen zu können.

Einen gigantischen Anteil am Erfolg des Online-Pokers hat Chris Moneymaker, der die lateinische Redensart "nomen est omen" deutlich unterstreicht. Mit einem Einsatz von nur 39 Dollar nahm er 2003 an einem Qualifikationsturnier im Internet teil, bis er nur wenige Wochen später im Rahmen der World Series of Poker am Finaltisch Platz nehmen durfte. Das Erfolgsrezept wurde dabei ein weiteres Mal bestätigt: Mit einem geschickten Bluff gewann Moneymaker 2,5 Millionen Dollar - und ist seitdem das Vorbild vieler Spieler, von Laien und Profis gleichermaßen.

Poker in der Grauzone

Online-Glücksspiele unterliegen strengen Gesetzen, sind in vielen Rechtsordnungen sogar komplett verboten. Seit Oktober 2006 ist es in den Vereinigten Staaten illegal, Geldtransfers zu Glücksspielseiten im Internet zu senden. Banken, Kreditkartenfirmen und anderweitigen Bezahldiensten ist es gänzlich verboten, Geld an nicht in den USA ansässige Betreiber zu überweisen. Beliebte Portale wie Partypoker verzichten seitdem darauf, amerikanische Spieler auf ihrer Seite zuzulassen. Der Höhepunkt wurde im April 2011 erreicht, als die Plattformen Full Tilt Poker, Absolute Poker und Poker Stars unter anderem wegen des Verdachts auf Geldwäsche gesperrt wurden.

In Deutschland sind Glücksspiele grundsätzlich nur mit einer Konzession erlaubt. Die Teilnahme oder das Betreiben von illegalen Glücksspielen steht unter Strafe, von der Online-Casinos nicht ausgeschlossen sind. Noch härter wird es durch den Glücksspielstaatsvertrag, der das Online-Glücksspiel zwischenzeitlich sogar generell verboten hat, auch wenn das Regelwerk mittlerweile wieder gelockert wurde. Deutsche Spieler verlassen sich immer wieder auf Angebote im Ausland, bewegen sich damit aber auf sehr dünnem Eis. Und das nicht nur, weil sie selten sicher sein können, ob sie ihr gewonnenes Geld letztendlich auch überwiesen bekommen.

Trotz Krise groß im Geschäft

Auch wenn ein Teil des Booms durch die strengen Regulierungen an Möglichkeiten eingebüßt hat, bleibt der aktuelle Marktwert ungebrochen hoch und wird aktuell auf 2,9 Milliarden Euro geschätzt - ein Wert, der nur noch von Sportwetten und Online-Casinos überboten wird. Doch ob letztendlich um Geld, Ehre oder den reinen Spaß gespielt wird: Es ist nicht abzusehen, dass das lockere Pokern in der Runde in den nächsten Jahren an Faszination verlieren wird.